Zwischen Wirklichkeit und Fiktion: Architektur im Buch

ADAM, Robert:
Rvins of the palace / of the emperor Diocletian / at Spalatro in Dalmatia / by R. Adam F. R. S. F. S. A. / Architect to the King / and to the Qveen Printed for the Avthor MDCCLXIIII [1764]

Signatur: 25.745 IV. Standort: U3. Alter Bestand der Bibliothek.

Maße: 37 x 52,5 cm.

Prächtiger zeitgenössischer Ledereinband mit reich vergoldetem Rücken, leicht beschädigt, insgesamt aber gut erhalten.

Vorsatzbl., Kupfertit., Tit., 5 nicht num. Bl., 33 S., 51 teils doppelblattgroße und mehrfach gefaltete Kupfertaf.

Gescannt am 14.7.2010.
Externes Volltext-Digitalisat der UB Wisconsin: http://digital.library.wisc.edu/1711.dl/DLDecArts.AdamRuins, 24.5.2010.


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Robert Adam (* 3. Juli 1728, Kirkaldy, Fifeshire; + 3. März 1792, London)

Robert Adam, der aus einer angesehenen und wohlhabenden schottischen Familie stammte, erlernte den Beruf des Architekten gemeinsam mit seinem Bruder John zunächst im Atelier des Vaters William Adam und führte bereits in jungen Jahren wichtige Arbeiten für lokale Adelige aus. Von 1754 bis 1758 unternahm er die lange ersehnte „Grand Tour“ auf das europäische Festland, um dort die Architektur der römischen Antike und der italienischen Renaissance vor den Originalen studieren zu können. Gemeinsam mit Charles-Louis Clérisseau und zwei anderen Zeichnern hielt sich Adam im Sommer 1757 fünf Wochen in Spalato, dem heutigen Split, auf, um die Ruinen des spätrömischen Diokletianspalastes zu untersuchen und zu vermessen. Als Ergebnis dieses Besuches erschien 1764 im Selbstverlag der hier gezeigte, prachtvolle Band mit Kupferstichen von höchster Qualität, die zahlreiche reizvolle Veduten zeigen, aber auch den damaligen Zustand des Palastes genau wiedergeben (> FISCHER VON ERLACH). Die von Adam versuchten Rekonstruktionen beruhen in der Regel auf Vitruv und dessen Architekturtheorien. Adam ließ die in Split gewonnenen Anregungen sehr direkt in eigene Projekte einfließen, wie ein Blick auf die 1764 bis 1768 an der Themse errichteten Magazine beweist, deren Form unverkennbar auf die langgestreckte, dem Meer zugewandte Fassade des Diokletianspalastes zurückgeht. In England hatte der bis etwa 1750 vorherrschende Palladianische Klassizismus zunehmend an Attraktivität verloren (> PALLADIO; > PALLADIO, LEONI)., so daß Adam mit seinem praktischen Wissen um die antike Baukunst zum gefragten Architekten wurde. Er kombinierte klassische Architekturelemente mit Eleganz und Geschmack in immer neuen Variationen und plante bis zu seinem Lebensende zahlreiche sehr eigenwillige Bauten, die bis ins 19. Jahrhundert vorbildhaft blieben und selbst die Postmoderne inspirierten.

Literatur:

    Beard, Geoffrey, The work of Robert Adam, Edinburgh u. a., 1978.
    Rykwert, Joseph, Rykwert, Anne, Robert und James Adam, Die Künstler und der Stil, Stuttgart, 1987.
    King, David, The complete works of Robert and James Adam, Oxford, 1991.
    Krufft, Hanno-Walter, Geschichte der Architekturtheorie, München, 2004, S. 238-239.
    Böning, Renate, Adam, Robert, in: Allgemeines Künstlerlexikon (lizenzierter Zugang: http://www.ub.tuwien.ac.at, 15. 7. 2010).
    Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Adam, 5.8.2010.